Was ist eine Blockade?

Als Blockade wird umgangssprachlich eine Bewegungseinschränkung eines Gelenks in der Wirbelsäule oder anderen Teilen des Körpers bezeichnet.

Das Wort „Blockade“ suggeriert, daß sich das betroffene Gelenk gar nicht mehr bewegt. Tatsache jedoch ist, daß es sich in den meisten Fällen sehr wohl noch bewegt, nur eben nicht mehr durch seinen vollen Bewegungsspielraum.

Die Bewegungseinschränkung geschieht innerhalb des normalen Bewegungsspielraums des Gelenks. Es „springt“ also weder etwas „raus“ noch ist es „ausgerenkt“.

Ein blockiertes Gelenk versucht das  Pferd  zu entlasten, indem es seine Körperhaltung verändert und dadurch andere Teile des Bewegungsapparates vermehrt belastet. Das bezeichnet man als Kompensation. Dies kann dazu führen, dass die Blockade vom Besitzer/Reiter anfangs nicht bemerkt wird. Mit der Zeit können dadurch allerdings weitere Blockaden entstehen, die den Zustand weiter verschlimmern.

Kann das Pferd seine Blockaden nicht mehr kompensieren tritt schließlich eine Störung des Bewegungsablaufes oder sogar eine Lahmheit zu Tage.

Was sind mögliche Ursachen von Blockaden beim Pferd?

  • jede Art von Gewalteinwirkung wie Sturz, Stolpern, Ausrutschen, Festliegen
  • nicht passende Sättel
  • Sitzprobleme des Reiters wie Schiefe oder Verspannung
  • Belastungen der Wirbelsäule, wie sie jede Reitsportdisziplin auf unterschiedliche Weise mit sich bringt
  • Bewegungsmangel, wodurch das Pferd Verspannungen nicht durch Wälzen und Buckeln selbst lösen kann
  • Veränderungen des Bewegungsmusters (verursacht durch Lahmheiten oder andere Erkrankungen)
  • Transporte
  • Vollnarkosen
  • Geburtsprobleme

 

Was sind die Folgen einer Blockade?

Alles Leben ist Bewegung…

…dies gilt auch für die einzelnen Strukturen des Körpers.

Die Wirbelsäule besteht aus einzelnen Wirbelknochen, die durch Gelenke und Bandscheiben miteinander verbunden sind.

Die Bandscheiben haben keine eigene Blutversorgung. Sie werden durch den Konzentrationsausgleich von Nähr- und Abfallstoffen über die angrenzenden Wirbelkörper versorgt. Dies funktioniert nur dann, wenn sich das jeweilige Gelenk ausreichend bewegt. Ist keine oder nur eingeschränkte Bewegung im Gelenk vorhanden, lagern sich die nicht abtransportierten Abfallstoffe im Gewebe der Bandscheibe ab. Gleichzeitig erhält sie zu wenig Nährstoffe. Wird die Blockade nicht behoben, stirbt die Bandscheibe ab und verknöchert. Die Beweglichkeit dieses Gelenks ist dann für immer verloren.

Eine der wichtigen Funktionen der Wirbelsäule ist es, das Rückenmark, also einen Großteil des zentralen Nervensystems, zu beherbergen und zu schützen. Nerven sind Verbindungsbahnen des Körpers und befördern Informationen vom Körper zum Gehirn und Befehle vom Gehirn zu den Muskeln und Organen. Sie entspringen im Rückenmark und treten durch kleine Öffnungen aus dem Wirbelkanal aus. Die Wände dieser Öffnungen bestehen aus knöchernen Anteilen zweier benachbarter Wirbel, der dazwischenliegenden Bandscheibe sowie Bändern und Gelenkkapseln. Ist die Beweglichkeit eines Zwischenwirbelgelenks gestört, verändert sich der Durchmesser der Öffnung.

Selten und nur im Extremfall ist es ein Wirbelknochen, der einen Nerv einquetscht. Vielmehr sind es geschwollene und entzündete Bänder oder Gelenkkapseln, die dann Druck auf den Nerv oder die ihn versorgenden Blutgefäße ausüben.

Ein so beeinträchtigter Nerv ist nicht mehr in der Lage, gesunde und vernünftige Informationen und Befehle weiterzuleiten. Dies bedeutet Stress für die Organe, die auf Informationen vom betroffenen Nerv angewiesen sind. Die Funktionsfähigkeit solcher Organe wird dadurch eingeschränkt. Ihre Widerstandskraft gegen äußere Einflüsse und Krankheitserreger sinkt.

Die Gesundheit und Funktionsfähigkeit von Muskeln hängt nicht nur von ausreichender Versorgung mit Nährstoffen ab, sondern auch von regelmäßigen und störungsfreien Impulsen des Nervensystems. Der Einfluss eines in seiner Funktion gestörten Nervs auf einen Muskel äußert sich anfangs in Verspannung und Schmerz, in späteren Stadien in Erschlaffung und Muskelschwund.

Die Beweglichkeit der einzelnen Wirbelgelenke ist relativ gering, aber die Summe an Bewegungen der vielen Wirbelgelenke kann erstaunlich groß sein. Bei der Fortbewegung spielt immer die gesamte Wirbelsäule eine Rolle. Die wichtigsten Muskelgruppen der Fortbewegung stehen mit ihr in Verbindung. So kann z.B. eine Blockade der Gelenke im Lendenwirbelbereich zur Verkürzung der Trittlänge einer Hintergliedmaße führen.

Eine solche Veränderung der mechanischen Funktion der Wirbelsäule führt dazu, dass die Gliedmaße ständig mit einem veränderten Muster auftritt. Dies wird früher oder später krankhafte Veränderungen von Gelenken zur Folge haben.

Durch veränderte Gelenkstellung werden Sehnen und Bänder stärker beansprucht und sind anfälliger für Verletzungen bzw. strukturelle Schäden. Muskeln müssen mehr Arbeit verrichten, als im optimalen Zustand für die gleiche Bewegung nötig wäre. Das Pferd ermüdet dadurch schneller bzw. schöpft gar nicht erst sein volles Leistungspotential aus.

Bevor sich messbare Veränderungen einstellen, die man mit schulmedizinischen Methoden nachweisen kann, sind im Körper bereits strukturelle Schäden entstanden.

Werden Blockaden nicht rechtzeitig behoben, entsteht ein Teufelskreis, in dem Zerstörung von Gewebe stattfindet und gleichzeitig aufgrund der gleichen Ursache die Selbstheilungskräfte des Körpers herabgesetzt sind.

Somit wird deutlich, warum sich Bewegungsstörungen nicht nur auf den Bewegungsapparat auswirken und warum von ungestörter Beweglichkeit nicht nur der Bewegungsapparat, sondern der gesamte Organismus profitiert.