Akupunktur

 

Daß Akupunktur ein Teil der Traditionell Chinesischen Medizin TCM ist, können Sie auf vielen Internetseiten lesen. Auch, dass sich Akupunkturpunkte auf den 12 über den Körper verlaufenden Meridianen befinden und man über diese energetische Blockaden auflösen, Organfunktionen unterstützen, die Gesundheit positiv beeinflussen und schädigende Faktoren ausleiten kann. Und dass man unter Akupunktur das Einstechen von Nadeln an ausgewählten Punkten der Körperoberfläche versteht.

Was für mich aber am faszinierendsten ist, ist die Tatsache, dass viele schulmedizinisch-westlich gesehen scheinbar zusammenhangslose Erkrankungen und Wehwehchen, an denen ein Individuum leidet, sich chinesisch gedacht auf eine einzige Ursache, also ein geschwächtes Organ zurückführen lassen. Genauso wird man dann chinesisch gedacht dieses Organ in seiner Funktion unterstützen und stärken anstatt schulmedizinisch-westlich gedacht jedes der Krankheitserscheinungen separat zu behandeln, hier ein Sälbchen zu schmieren und da ein Pülverchen zu füttern.

So wird man bei einem älteren Patienten, der zu frösteln neigt, ängstlich ist und Arthroseerscheinungen hat, die Niere stärken, einem Patienten, der emotional aufbrausend und streßanfällig ist, und zu Augenentzündungen und Verspannungen neigt, die Leber harmonisieren und bei einem trägen Patienten, der Kotwasser hat und zu Fettansatz neigt, an die Milz denken.

 

Diagnostik und Vorgehensweise

Der Patiententyp bzw. seine Einordnung zu einer Wandlungsphase lässt sich an seinen Vorlieben und Abneigungen und Verhaltensweisen im Alltag sowie Neigungen zu bestimmten Erkrankungen erkennen. Daraus ist auf Organe zu schließen, zu deren Schwäche oder Störungsanfälligkeit der Patient neigt. Die Untersuchung der Druckempfindlichkeit spezieller diagnostischer Akupunkturpunkte am Körper des Patienten, Form und Farbe der Zunge sowie sein Puls geben zusätzliche Auskunft darüber, wie akut oder schwerwiegend die Störung zum Zeitpunkt der Untersuchung ist. So kann bereits im Frühstadium einer energetischen Disharmonie der harmonische Energiefluss wieder hergestellt werden damit die Selbstheilungskräfte des Körpers den optimalen Zustand der Gesundheit wiedererlangen, bevor es überhaupt zu ernsthaften Symptomen und Krankheit kommen kann.

 

Durch regelmäßige, 1-2 mal im Jahr erfolgende Untersuchungen und Behandlungen

  • als begleitende Maßnahme während der Turniersaison
  • zur Stärkung des Immunsystems bei belastenden Situationen wie z.B. Stallwechsel
  • zur Optimierung der Fohlenaufzucht
  • zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und Optimierung des Allgemeinbefindens

wird der Patient auf dem höchstmöglichen Level seiner Gesundheit gehalten.


Hat der Körper traumabedingt akut oder chronisch längerfristig mit lokalen Bewegungseinschränkungen seines Bewegungsappatates zu leiden, kann er mittels Ansprache angrenzender Punkte angeregt werden, sich auf dieses Areal zu konzentrieren und das Problem aufzulösen frei nach dem Prinzip: Ist ein Problem da werden die Nachbarn helfen.

So haben die Chinesen viele für uns zunächst gewöhnungsbedürftige Erklärungen und Theorien, für die sich der Therapeut je nach Fall entscheiden kann. Die Auswahl der Punkte ergibt sich aus dem Gesamtbild des Patienten und seiner aktuellen energetischen Situation. Mit jeder Einzelbehandlung sollen die aktuellen vorhandenen energetischen Blockaden gelöst und seine Selbstheilungskräfte angeregt werden. Natürlich hat unser sensibler Pferdepatient bei der Punkteauswahl ein Wörtchen mitzureden, denn lässt sich ein Pferd nicht an den Hinterbeinen nadeln, muß eben z.B. eher am Rumpf oder rumpfnahen Punkten gearbeitet werden.

 

Was läßt sich mit Akupunktur behandeln?

Akupunktur bzw. die TCM ist eine Regulationsmedizin, d.h. es lässt sich damit heilen, was gestört ist, jedoch nicht, was zerstört ist. Bei zerstörten Körperstrukturen ist jedoch immer noch eine Milderung der Symptome mit Hilfe der Akupunktur möglich wie Schmerzlinderung, verbesserte Beweglichkeit, verbesserte Lebensqualität durch verbessertes Allgemeinbefinden.

 

Bei folgenden Indikationen stellen Akupunkturbehandlungen eine wertvolle und oft sehr erfolgreiche Ergänzung der Schulmedizin dar:

  • Schmerzen des Bewegungsapparates wie Muskelverspannungen oder Rückenschmerzen
  • Chronische Lahmheit
  • Chronische Atemwegsbeschwerden
  • Beschwerden des Verdauungsapparates wie Kolikanfälligkeit oder Magengeschwüren
  • Stoffwechselprobleme
  • Leistungsabfall nicht nur bei Sportpferden
  • In der Entwicklung zurückbleibende/kränkelnde Jungpferde
  • Verhaltensauffälligkeiten/Nervosität/Widersetzlichkeit/Aggressivität
  • Stärkung alternder Pferde
  • Unterstützung der Regeneration nach Operationen oder schwerwiegenden Erkrankungen

 

Nur nichts übersehen!

Beim Vorgespräch zur Findung der chinesischen Diagnose werde ich Ihnen vielleicht andere und ungewöhnlichere Fragen stellen, als sie es von Ihrem schulmedizinisch arbeitenden Tierarzt gewohnt sind, wie z.B. über Angewohnheiten und Vorlieben oder Abneigungen Ihres Pferdes und seiner Neigung zu bestimmten Erkrankungen. Je besser Sie Ihr Pferd kennen desto spezifischer kann man regulieren und behandeln.

Dennoch werde ich als schulmedizinisch ausgebildete Tierärztin gleichzeitig die Symptome aus schulmedizinisch-westlich Sicht einschätzen und gegebenenfalls weitergehende Untersuchungen oder schulmedizinisch in Frage kommende Behandlungsmethoden empfehlen.

 

Wie oft muss behandelt werden?

Akute Probleme sprechen erfahrungsgemäß schnell auf 2-3 Behandlungen im Abstand von 2-3 Wochen an.

Sind die Probleme chronisch bedarf es regelmäßiger Behandlungen z.B. 6x jeweils im Abstand von 4 Wochen, um nachhaltige Verbesserungen zu erzielen.

 

Akupunktur hat viele Gesichter

Ein besonders wirkungsvolles davon ist die Elektroakupunktur. Dabei werden die gesetzten Akupunkturnadeln über Kabel mit einem batteriebetriebenem Gerät verbunden. Auf diesem kann man nicht nur die Intensität des Stromes einstellen, sondern auch zwischen verschiedenen Frequenzen wählen, je nachdem ob man für einen schmerzhaften und verspannten Patienten Entspannung, Schmerzreduktion und Endorphinausschüttung, einem geschwächten Patienten zu mehr Energie verhelfen, einzelne Organe stärken, oder atrophierte Muskulatur zum Wachstum anregen möchte.

Vorteile der Elektroakupunktur gegenüber dem alleinigen Setzen von Nadeln ist höhere Effektivität und Reduktion der benötigten Behandlungen. Für Patienten, die die Nadeln tolerieren, sind die Kabel meist kein Problem. Die Stromstärke wird so gewählt, dass sie angenehm zu tolerieren ist. Dies ist an der Körpersprache sehr gut zu erkennen. Der Patient empfindet an den Stellen ein Kitzeln oder das Gefühl, als würden Ameisen zwischen den durch die Elektroden verbundenen Nadeln entlang der Meridianen wandern.

 

Video:

Muskelkontraktionen bei der Behandlung eines Pferdepatienten mit Elektroakupunktur

http://www.youtube.com/watch?v=4DvK6SLi5sQ&feature=youtu.be